Supervision:
Eigenreflexion schärfen, effizienter handeln, Perspektiven öffnen

Zunächst war der Begriff in den USA gebräuchlich und meinte die Praxisanleitung des Vorgesetzten. Supervision diente hier dem Vorgesetzten dazu, professionelles Handeln in seinem Sinne mit dem ausführenden Mitarbeiter durchzusprechen und zu bestimmtem Verhalten anzuleiten. Michael Balint, ein ungarischer Psychoanalytiker, entwickelte in den 50er Jahren eine „Reflexions-Gruppe“ für Ärzte, bei dem der Supervisor in Gruppen die Beziehung der Ärzte zu ihren Patienten thematisierte und Spiegelungsphänomene in der Gruppe ansprach. Balintgruppen werden auch in anderen Berufsgruppen, wie zum Beispiel bei Seelsorgern, Lehrern und Führungskräften genutzt.

Heute wird Supervision in der Regel durch unabhängige, nicht in der Hierarchie der Institutionen und Betriebe eingebundene Fachleute angewendet oder sie hat kollegialen Charakter (auch Intervision genannt).

Team- und Einzelsupervision

Supervision hilft, Rollensicherheit und berufliche Identität zu entwickeln und in Einklang zu bringen mit der eigenen Persönlichkeit. Dadurch werden persönliche und fachliche Kompetenzen erweitert und vertieft. Die Fähigkeit, Chancen und Grenzen des eigenen beruflichen Handelns realistisch wahrzunehmen, soll gefördert werden. Sowohl im Teamzusammenhang als auch als Einzelsupervision kann der Fokus in Absprache mit den Supervisanden entweder auf das arbeitsbezogene Handeln, auf das Rollenverständnis gerichtet sein, als auch auf die Lösungsorientierung. Dabei werden die innerseelischen und zwischenmensch-lichen Wirkfaktoren und Potenziale durch den Supervisor thematisiert. Diese arbeitsbezogene Reflexion des beruflichen Handelns kann sich sowohl auf generelle (berufsbezogene) eigene Handlungs-, Erlebens- und Denkmuster beziehen als auch auf fallbezogene, ereignisbezogene.

Ziele

Die Ziele der Supervision werden im Vorgespräch vereinbart.
Supervision zielt darauf ab, das persönliche Verhaltensrepertoire zu erweitern und neue Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Es geht ihr um einen ganzheitlichen Prozess lebendigen Lernens, der sowohl der Qualität der beruflichen Arbeit als auch der persönlichen Berufszufriedenheit dient. 

Einzelne Zielsetzungen können sein:

_Methodenkompetenz
_Werte und Normen, Persönlichkeitsmerkmale, Gefühle
_Gedanken und Verhalten, persönliche Entwicklung
_Ziele und Strategien, Zusammenarbeit im Team bzw. in der Organisation
_Schnittstellen und Synergieeffekte
_Rollenerwartungen und Rollenverhalten
_Diagnose von Klienten (Fallsupervision)
_Macht und Verantwortung, Entscheidungsprozesse
_Qualitätsmanagement, Rolle von Berufsanfängern, Einführung und Integration neuer Mitarbeiter
_Führung
_Nachbarschaftliche Beziehungen
_Beziehungen zu Interessengruppen, Zusammenarbeit mit dem Träger

Fokus und Inhalt sind eng mit dem Setting verknüpft: In der Einzel-supervision und der Gruppensupervision stehen eher persönliches Verhalten und die zugrundeliegenden Werte, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle im Vordergrund. Jeder Teilnehmende erhält abwechselnd Raum, sich einzubringen und für sich zu lernen. Fallsupervision findet ebenfalls oft in der Gruppe statt. Die Gruppe dient jeweils als Spiegel. Die Teamsupervision befasst sich eher mit dem Miteinander, der Zusammenarbeit, gemeinsamen Zielen, Prozessen, Strukturen und Kultur. Ziel ist ein gemeinsames Lernen, Synergie und Lösungen.