Beratung bei Trennungs- und Scheidungskonflikten

Wege aus der Krise -
Kinder schützen


Grundlegende Beratungsformen sind:

_Ambivalenzberatung
_Trennungs- und Scheidungsberatung
_Nachtrennungs- (Nachscheidungs-) beratung
_Trennungs- und Scheidungsmediation

Trennung und Scheidung bedeutet für Familien eine Veränderung der gesamten Lebenssituation. Es sind oft schmerzhafte Prozesse, verbunden mit heftigen Gefühlen von Trauer, Verzweiflung, Angst, Wut und Enttäuschung.

Fast immer entstehen in Trennungszeiten Konflikte und Streitigkeiten. Meistens geht es dabei um die gemeinsamen Kinder (Betreuung, Sorgerecht, Umgangsregelungen etc.), um die Finanzen (Unterhalt für Kinder und Ehegatten, Vermögen/Schulden u.a.) sowie um die Wohnung und die Aufteilung des Hausrates. Oft können Paare in diesen Situationen gar nicht mehr miteinander reden, ohne in heftigen Streit zu geraten.

Moderne Trennungs- und Scheidungs-beratung geht seit langem davon aus, dass Familienkonflikte, insbesondere dann, wenn Kinder beteiligt sind, mit den Mitteln des Familienrechts  allein nicht in der gebotenen Weise erfasst und verstanden werden können. Wohl kann das Recht im Chaos der Gefühle Strukturen schaffen, auch auf einen geordneten Rahmen von Auseinander-setzungen drängen; diese ordnende, strukturierende Funktion des Rechts erreichte allerdings selten mehr als den Außenbereich der familiären Konflikte. Es ging um die Gewichtung von Positionen, darum, wer welche Ansprüche geltend machen kann, aber weniger um Konfliktregulierung, bei der keine der Seiten sich als Verlierer fühlen muss.

Ambivalenzberatung wird angezeigt sein, wenn sich zunächst ein Partner mit Trennungsgedanken trägt und sich bereits emotional distanziert hat, während unter Umständen der andere Partner noch an der Beziehung festzuhalten versucht. Oder, wenn die Partner zwar beide meinen, in einer tiefen Beziehungskrise zu stecken, sich aber über Lösungserfordernisse und -perspektiven unklar sind. Die Ambivalenzberatung zielt darauf ab, die divergierenden Bedürfnisse und unterschiedlichen Interessen der Partner herauszukristallisieren.

Wenn zunächst die Stärkung jedes einzelnen Partners im Vordergrund stehen, oder wenn die familiäre Konfliktstruktur bzw. die beginnende Trennungsdynamik deutlicher werden sollen, dann kann es sinnvoll sein über eine Paar- oder Familientherapie nachzudenken.
Trennungsberatung wird dann angeboten, wenn wenigstens einer der beiden Partner eindeutig die Trennung wünscht oder sie bereits räumlich durchgeführt hat. In der Trennungsphase werden starke Gefühle von Enttäuschung, Wut, Hass, Verlassenheit und Verletztheit erlebt, aber auch Trauer, Schmerz und Depression.

Gerade in dieser Phase besteht die Gefahr, dass es starke Impulse bei den Trennungsbetroffenen gibt, formal-juristischer Konfliktregulierungsstrukturen zu bevorzugen. Auf der einen Seite kann es Entlastung bringen, wenn ein dritter, der Anwalt, den Streit stellvertretend führt. Auf der anderen Seite besteht die Tendenz, alte Macht- und Beziehungskämpfe im neuen Gewand als langjährigen Scheidungsprozess weiterzuführen.

Die Trennungsberatung kann das Ziel haben, eine derartige Spaltung des bereits begonnenen Trennungsgeschehens in einen emotionalen und einen juristischen Trennungsprozess zu verhindern, die Sicherung der Belange der Kinder, die Verringerung der emotionalen Belastung der Partner, die Aufdeckung und Entschärfung des Paarkonfliktes sowie die Suche nach einem zukünftigen Weg der Eltern in der Verantwortung gegenüber ihren Kindern und eine von beiden tragbare Elternschaft für die Zukunft zu entwerfen. In der Scheidungsberatung wird ergebnisorientiert die eigenverantwortliche Konfliktregulierung auf der Ebene der Beziehung mit den scheidungswilligen Ehepartnern erarbeitet. Konsultationen bei Anwälten des Vertrauens stehen dem nicht entgegen.

Die Nachscheidungsberatung erarbeitet Wege und Regelungen, nach denen die "Postscheidungsfamilie" vor allem ihre Beziehungen auf der Eltern- und auf der Eltern-Kind-Ebene neu gestalten können. Die Erhaltung oder die Herstellung der Flexibilität des familiären Systems der getrennten Familie ist hier ein wichtiges Ziel - zum einen, um auf entwicklungsbedingte Veränderungsbedürfnisse der Kinder eingehen zu können, zum anderen um die Gefahren für die gemeinsame Elternverantwortung durch weiterbestehende und aktuell wieder aufbrechende Paarkonflikte abzuwenden. Eine kritische Situation in der Nachscheidungsphase entsteht regelmäßig, wenn einer der ehemaligen Partner eine neue verbindliche Beziehung zu einem neuen Partner eingeht. Eine Neuorientierung des elterlichen Kooperation wird dann oft notwendig.

Die Trennungs- oder Scheidungsmediation ist ein besonderes Konfliktregulierungs-modell. Diese Form der Konfliktklärung ist vor allem für jene Paare geeignet, die autonom, ohne Hilfe einer dritten Instanz (z.B. das Familiengericht) die Verantwortung für zu treffende Entscheidungen zu übergeben, verhandeln wollen.